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Liebes 2026...



Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und überall lese ich Posts, die voller Wünsche und Bedürfnisse stecken. Typisch für diese Zeit – und irgendwie mag ich das. Es zeigt, wie viele Menschen gerade zurückblicken, innehalten, die vergangenen Monate sortieren und sich fragen, was sie im kommenden Jahr anders haben möchten.


Ich lese von Erschöpfung, Trauer, Wut und immer wieder von dem tiefen Wunsch nach Ruhe, Leichtigkeit und Wertschätzung. Bedürfnisse, die ich sehr gut kenne.


Was mich heute zur Tastatur greifen lässt, ist weniger der Inhalt dieser Posts als ihre Art der Formulierung.

„Liebes 2026, bitte mach… sei… versuche…“

„Ich bitte dich nur um eine Atempause.“

Lass mich nicht ständig rennen, um mir ein bisschen Ruhe zu verdienen.“

„Mach, dass die Menschheit sich nicht ständig einmischt.“

„Lass mich spüren, dass der Schmerz nicht das letzte Wort hat.“


Alles absolut nachvollziehbar. Viel Kraftlosigkeit, viel Kampf, wenig erfahrene Akzeptanz. Und gleichzeitig frage ich mich: Wie soll „das Jahr“ all das eigentlich beeinflussen? Klar wünschen wir uns ein Jahr ohne Unerwartetes, ohne Schicksalsschläge, ohne Schmerz. Das ist zutiefst menschlich. Doch wir wissen alle, dass das Leben sich nicht an Jahreszahlen hält. Warum setzen wir so viel Hoffnung in ein neues Jahr – nur um enttäuscht zu werden, wenn das Leben trotzdem passiert?


Vielleicht wäre ein anderer Ansatz hilfreicher.

Nicht: „Liebes 2026, bitte schenke mir Ruhe.“

Sondern: „Wie möchte ich 2026 mit den Herausforderungen umgehen?“


Da, wo ich mich nach Ruhe sehne: Nehme ich mir den Raum wirklich? Kann ich sie zulassen?

Da, wo andere sich einmischen: Weiß ich, was ich will? Kenne ich meine Grenzen – und setze ich sie?

Da, wo Schmerz entsteht: Traue ich mich hinzuspüren? Gebe ich mir Zeit, vertraue ich auf Heilung – und kann ich trotzdem kleine schöne Momente wahrnehmen?


Denn eines ist sicher: Unvorhergesehenes wird geschehen. Schmerz wird auftauchen. Anforderungen werden gestellt – 2026 genau wie in all den Jahren zuvor. Doch statt zu hoffen, dass sich „das Jahr“, die Menschen oder die Umstände verändern, könnten wir vielleicht unseren Blick darauf richten, was wir brauchen, worauf wir Einfluss haben und wie wir uns selbst unterstützen können.


Und vielleicht können wir dann am Ende sagen:

„Liebes Ich im Jahre 2026, ich wünsche mir von dir…“

Denn genau dort liegt unsere Kraft.


Vielleicht gelingt es uns so, 2026 wirklich willkommen zu heißen – nicht als ein Jahr, das uns etwas geben soll, sondern als einen Raum, in dem wir uns erleben, wachsen und kleine Dinge verändern dürfen.


Und daher wünsche ich uns zum Schluss genau das. Ein bisschen mehr Raum für Echtheit, für gegenseitige und eigene Wertschätzung und für Mitgefühl. Und dass wir 2026 gut spüren können, was wir wirklich brauchen.

 
 
 

2 Kommentare

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Gast
23. Dez. 2025
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Danke für Deine schlauen Worte.

So kann ich leichter in das neue Jahr gehen!


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katjawelters
katjawelters
11. Jan.
Antwort an

Danke lieber Gast. Ich wünsche dir ein verbundenes 2026.

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