Was willst du wirklich?
- katjawelters

- 9. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Ich habe heute ein Spiel wiedergefunden, das ich vor einiger Zeit gebastelt habe.
Eigentlich war es als Geschenk gedacht – doch es hat seinen Empfänger nie erreichen können. Das hat mich eine Zeit lang traurig gemacht. Doch heute habe ich mich gefreut, dieses Spiel selbst wieder in den Händen zu halten.
Es ist ein Drehspiel mit einem Pfeil, der auf unterschiedliche Fragen zeigen kann.
Und weil heute ein lausig kalter Tag ist, habe ich es mir gemütlich gemacht und den Pfeil gedreht: „Was willst du wirklich?“
So kurz und scheinbar so einfach. Doch was, wenn ich gerade gar nicht weiß, wer ich bin oder was ich will?
Manche reagieren, als würde diese Frage ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Andere machen innerlich dicht, um sich zu schützen. Wieder andere stehen plötzlich still, voller Unsicherheit und Angst.
Auch mir war diese Frage lange fremd.
Als ich sie zum ersten Mal hörte, hatte ich eher das Gefühl, sie gar nicht richtig zu verstehen. In jedem Fall war ich weit entfernt von einer Antwort.
Heute, mit etwas Abstand, denke ich: Vielleicht darf ich mir diese Frage öfter stellen.
Nicht, weil sie schnell beantwortet werden will – sondern weil sie immer wieder neu gestellt werden darf. Denn ich glaube, sie hat keine einmalige Antwort.
Und doch:
Wie oft wende ich im Alltag wirklich den Blick nach innen?
Wie häufig bleibe ich einen Moment bei dem, was diese Frage in mir auslöst?
Eine Möglichkeit, ihr zu begegnen, ist zu spüren, wonach mir gerade ist – in diesem Moment – und wie ich damit umgehen möchte.
„Den Garten bepflanzen.“
„Einen Kuchen backen.“
„Denken.“
Eine andere Möglichkeit ist, die Frage größer zu stellen.
Als eine Art innere Rangordnung.
„Glücklich sein.“
„Mehr Geld verdienen.“
„Mir mehr Ruhe gönnen.“
Ich mag es, dem Kleinen zu folgen. Dem Naheliegenden.
Ich frage mich: Was möchte ich jetzt gerade?
Denn oft zeigt sich etwas Wesentliches nicht in großen Antworten, sondern im Alltag.
Dort, wo wir uns selbst begegnen – beim Ofen anzünden, beim Spazierengehen, beim Schreiben, beim Tun.
Gleichzeitig öffnet diese Frage manchmal einen Raum, der sich zunächst leer anfühlt.
Eine Leere, die Angst machen kann.
Was tun mit dem Nichts, das plötzlich da ist?
Wir wollen es füllen, nachholen, absichern – und gleichzeitig davor weglaufen.
Und doch liegt genau hier auch etwas anderes: freier Raum.
Das Vergangene lässt sich nicht ändern, das Zukünftige ist noch nicht sichtbar.
Zwischen Orientierungslosigkeit und Angst liegt auch die Möglichkeit, neu zu gestalten.
Vielleicht müssen wir diese Leere nicht sofort füllen.
Vielleicht genügt es, sie einen Moment lang auszuhalten.
Sie zu atmen. Ohne etwas zu verändern.
Es braucht Zeit. Und genau das darf sein.
Und wenn ich in diesen leeren Raum die Frage stelle: „Was möchte ich gerade?“ - kommt manchmal ein leiser Funke. Kleine Impulse, vorsichtige Gedanken, eine Ahnung davon, was stimmig sein könnte.
Keine fertigen Antworten. Keine großen Pläne. Nur kleine Schritte.
„Einfach nur da sitzen" – dann sitze nur da.
„Kuchen backen" – dann backe Kuchen.
„Spazieren gehen" - dann geh spazieren.
Das Wichtige ist, es dir wirklich zu erlauben.
Vielleicht finden wir das, was wir wirklich wollen, nicht durch große Erkenntnisse.
Sondern indem wir aufhören, vor der Leere davonzulaufen.
Und beginnen, unser Leben dort zu bewohnen, wo es gerade stattfindet. Dort, wo wir uns selbst im Alltag immer wieder begegnen.
Und ich frage mich, was wohl jede*r Einzelne gerade als mögliche Antwort in sich spürt.



„Was willst du wirklich?“ War immer eine Frage, die ich gehasst habe. Weil ich dachte, alle wollen wissen "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?" Woher soll ich das wissen? Ich weiß noch nicht mal, wo ich gleich mein Auto parke. Oder die Parkuhr schon abgelaufen ist. Die Antwort liegt tatsächlich hier: "Was möchte ich jetzt gerade?" Das ist die richtige Frage, hier lohnt es sich, sich zu erforschen, wenn man dieses Gefühl hat. Und wenn die ehrliche, tiefe Antwort "Nichts." ist: Prima, dann ist ja alles in Butter. Genießen. Alles andere sind 'Visionen'. Nicht schlecht, wenn man sie hat. Aber man braucht sie schlicht und einfach nicht zum glücklich sein. Ich sage bewusst nicht Ziele, denn die könnte man verpassen. Aber Visionen sterben nicht.
Sehr spannende Frage