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In welchen Begegnungen mag ich mich eigentlich selbst?




Neulich saß ich in meinem Garten. Mein Vater hatte kurz zuvor gesagt, dass er ihn „besonders“ findet. Mich übrigens auch. Über Letzteres war ich mir deutlich weniger sicher als über Ersteres. Und wenn ich ehrlich bin, hat mich dieser Satz zunächst sogar etwas verunsichert.


Denn wenn ich meinen Garten anschaue, glaube ich sofort zu verstehen, was er meint. Er ist nicht ordentlich. Nicht symmetrisch. Nicht besonders vernünftig. An manchen Stellen wachsen Pflanzen, von denen ich nicht ganz sicher bin, ob sie dort jemals vorgesehen waren. Er ist ein bisschen wild, ein bisschen eigensinnig, bunt, lebendig und voller Überraschungen.


Je länger ich dort saß, desto mehr fragte ich mich, warum es mir eigentlich so leicht fällt, genau diese Eigenschaften an meinem Garten zu mögen – und gleichzeitig so schwer, sie bei mir selbst zu erkennen.


Dabei kenne ich diesen Teil durchaus.


Ich kenne den Teil, der sich begeistern kann. Der Zusammenhänge entdeckt, wo andere vielleicht nur eine Alltagssituation sehen. Der Ideen spinnt, neugierig wird, Fragen stellt und manchmal mit einer fast kindlichen Freude auf die Welt schaut. Der schnell redet, improvisiert und sich treiben lässt.


Wenn ich an diesen Teil denke, muss ich lächeln. Er macht vieles von dem aus, was ich an mir selbst schätze. Und doch fiel mir auf, dass die eigentliche Frage vielleicht gar nicht ist, ob es diesen Teil gibt, sondern wo er auftaucht.


Denn wenn ich ehrlich bin, gibt es Menschen, bei denen dieser Teil ganz selbstverständlich da ist. Er muss sich nicht erklären. Nicht rechtfertigen. Nicht überlegen, ob er gerade zu viel ist. Er darf einfach sein.


Und dann gibt es Begegnungen, in denen etwas anders ist.

Dort scheint sich eine Art Schutzschicht dazwischenzuschieben. Nicht unbedingt bewusst. Nicht einmal falsch. Aber spürbar.


Plötzlich fragte ich mich:

Was sagt es eigentlich über eine Begegnung aus, wenn mein lebendigster Teil dort keinen Platz findet?

Vielleicht gar nichts über die andere Person.

Vielleicht auch nichts über mich.

Vielleicht ist es zunächst einfach nur eine spannende Beobachtung.


Denn je länger ich dort hinein spürte, desto mehr bemerkte ich noch etwas anderes.

Immer wenn ich an bestimmte Begegnungen dachte, zog sich in mir etwas zusammen. Nicht nur ein Gefühl. Es war, als würde genau dieser lebendige Teil einen Schritt zurücktreten. Als würde er sagen: Hier möchte ich gerade nicht rauskommen.


Und plötzlich stand eine andere Frage im Raum:

Warum bleibe ich eigentlich so lange in Begegnungen, in denen genau dieser Teil immer weniger Platz bekommt?


Denn ich weiß, wie er aussieht. Ich weiß, wie er sich anfühlt. Ich merke sogar, wann er beginnt, sich zurückzuziehen.

Und trotzdem bleibe ich manchmal dort stehen und hoffe, dass er irgendwann doch wieder hervorkommen kann.


Vielleicht liegt genau darin eine interessante Frage. Nicht nur, welche Menschen uns mögen.

Sondern bei welchen Menschen wir uns trauen, ganz da zu sein. Mit unserer Neugier. Unserer Lebendigkeit. Unseren manchmal etwas wilden Ideen. Mit all den bunten Blumen, die vielleicht nicht in jede Gartenplanung passen.


Denn vielleicht sagt die Frage, welche Anteile von uns in einer Begegnung auftauchen dürfen, manchmal mehr über die Qualität dieser Begegnung aus als vieles andere.

Ich weiß nicht, ob ich darauf schon eine Antwort habe. Aber ich glaube, ich möchte in Zukunft etwas genauer darauf achten. Nicht nur darauf, wer mich sieht. Sondern darauf, in welchen Begegnungen ich mich selbst mag.


Und vielleicht auch darauf, bei wem der Teil von mir auftaucht, den ich selbst am meisten liebe.

Denn vielleicht ist das gar nicht die schlechteste Orientierung, wenn es darum geht herauszufinden, wo wir uns wirklich zu Hause fühlen.

 
 
 

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