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Zwischen dem, was wächst – und dem, was ich zulasse

8. Mai
2 Min. Lesezeit

Ich saß heute im Garten.

Nichts Besonderes eigentlich. Kein großer Moment. Kein Plan. Einfach nur da.


Und während ich so zwischen den Beeten gesessen habe, ist mir aufgefallen, wie still es in mir gerade ist. Nicht leer – sondern ruhig. So eine ruhige, klare Zufriedenheit, die nichts braucht. Die nicht zieht, nicht sucht, nicht wartet.


Und dann kam dieser Gedanke, ganz leise, fast nebenbei: Wie gut es sich gerade anfühlt, allein zu sein.

Nicht im Sinne von „allein gelassen“. Sondern im Sinne von: bei mir.


Ich habe gemerkt, dass ich diesen Zustand gerade gar nicht verlassen möchte. Dass ich ihn nicht nur genieße, sondern dass da auch etwas in mir sagt: Bleib noch einen Moment hier. Werd darin noch ein bisschen stabiler. Fester. Klarer. Bevor überhaupt wieder jemand die Möglichkeit bekommt, mir näher zu kommen.

Und während ich das gedacht habe, habe ich mich umgeschaut.


Dieser Garten…der ist gerade genau so, wie ich ihn haben will.

Ich habe in den letzten Wochen Dinge umgesetzt, verschoben, rausgenommen, neu gepflanzt. Habe Ecken freigeräumt, die sich nicht mehr richtig angefühlt haben. Habe Pflanzen gesetzt, bei denen ich nicht wusste, ob sie überhaupt wachsen – und sie einfach trotzdem gesetzt, weil sie sich richtig angefühlt haben.


Und jetzt sitze ich hier und merke: Das hier bin ich.

Nicht perfekt. Nicht fertig.

Aber stimmig.


Und plötzlich wurde mir klar, wie ähnlich sich das anfühlt zu meinem Leben gerade.

Ich kann mit diesem Garten machen, was ich will. Ich entscheide, was hier wachsen darf. Ich entscheide, was keinen Platz mehr hat. Ich entscheide, wo es wild sein darf – und wo ich Struktur brauche.


Und genau das Gleiche gilt eigentlich für mein Leben.

Aber da vergessen wir das so oft.


Wir lassen Menschen rein, obwohl wir gerade noch dabei sind, unseren Boden zu sortieren. Wir halten Dinge fest, die längst nicht mehr zu uns passen. Wir hoffen, dass jemand von außen etwas in uns zum Blühen bringt, obwohl wir selbst noch gar nicht wissen, was wir eigentlich pflanzen wollen.


Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach. Oder zumindest klar:

Erst kommt der Garten. Dann kommen die Gäste.


Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ich gerade bin.

Ich sitze in meinem eigenen Raum und merke, wie gut es sich anfühlt, ihn zu kennen. Zu wissen, was hier wächst. Zu spüren, wo noch etwas Zeit braucht. Und auch zu sehen, was ich bewusst geschützt halte.

Nicht aus Angst. Sondern aus Wertschätzung.


Denn nicht jeder, der durch ein Gartentor geht, bleibt achtsam. Nicht jede Begegnung tut dem Boden gut. Und nicht jede Nähe lässt etwas wachsen.

Und das hat nichts mit Verschließen zu tun.

Im Gegenteil.


Ich glaube, es ist die ehrlichste Form von Offenheit, die es gibt: Zu sagen – mein Garten ist mir wichtig.

Und wenn irgendwann wieder jemand durch dieses Tor kommt, dann nicht, weil ich etwas brauche.

Sondern weil ich teilen möchte.


Weil da etwas ist, das gewachsen ist. Weil da ein Raum ist, der getragen ist. Und weil ich nicht mehr suche, sondern wähle.


Bis dahin sitze ich einfach hier.


Zwischen dem, was ich gepflanzt habe.

Zwischen dem, was noch wachsen wird.

Und merke,

dass genau das gerade reicht.

 
 
 

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